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Erfolgsgeschichten aus der Praxis

Ungewöhnlich aufgeräumt wirken die Tische in Raum 59 der Robert-Schuman-Grundschule: Digitaler Stift, Kopfhörer und ein iPad – mehr braucht die Klasse 4a nicht. Sie ist die erste digitale Tablet-Klasse im Grundschulbereich in Frankenthal. Das Pilotprojekt ist gut angelaufen.
Von Klaudia Toussaint

Die Regie führt an den ersten Schultagen nicht Klassenlehrerin Simone Keck, sondern Medienpädagogin Daweena Lill. Sie kommt von der thinkRED, eine Firma mit Sitz in Bochum, die sich auf Digitalisierung an Schulen spezialisiert hat. Lill begleitet die Klasse bei den ersten Schritten am iPad. Die 4a ist Teil eines Pilotprojekts: Jeder der 14 Schüler*innen arbeitet an einem für ihn konfigurierten Tablet, das die Stadtverwaltung zur Verfügung stellt. Erstmals arbeitet damit eine Frankenthaler Grundschulklasse voll digital und ist damit auch landesweit Vorreiter. „So ein Modellprojekt gibt es meines Wissens höchstens noch an einer zweiten Grundschule in Rheinland-Pfalz“, sagt Anne Dederer, die bei der thinkRED die Abteilung Bildungsmanagement leitet und mit Lill die Einführung an Frankenthals zweitkleinster Grundschule übernimmt.

Essen und Trinken sind tabu
Am vergangenen Donnerstag hat jede*r Schüler*in sein Leihgerät bekommen. Bevor der richtige Fachunterricht starten kann, vermittelt Lill den Neunjährigen die wichtigsten Grundregeln – sozusagen den Knigge fürs Arbeiten am Tablet. Essen und Trinken sind tabu, wenn das empfindliche Gerät im Einsatz ist. Ganz wichtig ist der Datenschutz: Ohne Erlaubnis dürfen keine Klassenkamerad*innen fotografiert, gefilmt und Dateien verschickt werden.

Mucksmäuschenstill ist die Klasse, als Lill den ersten Auftrag gibt. Er passt ideal ins Konzept von Keck, die mit der 4a am Montag nach Mainz fährt, zur Besichtigung des Landtags. Zur Vorbereitung für den Sachkundeunterricht soll jede*r Schüler*in ein E-Book über das Landesparlament erstellen. Die Jungen und Mädchen sind technisch versiert, in der dritten Klasse haben sie schon verschiedene Aufgaben mit dem Tablet erledigt. „Die Kinder haben zum Beispiel ein Hörspiel produziert“, sagt Keck, die nach eigener Aussage mit Rektorin Anja Brauch einige Fortbildungsseminare besucht hat, um fit für den digitalen Unterricht zu werden.

Einsatzbereit und geladen
Als die E-Books fertig sind, sollen die Schüler*innen sie an Kecks und Brauchs Account schicken – per Airdrop, einer Funktion zur Datenübertragung. „Wo finde ich die Datei?“, fragt die Schulleiterin. „Man merkt: Auch die Pädagog*innen müssen dazulernen“, sagt Dederer humorvoll und zeigt ihr am Gerät den richtigen Pfad. „Wahnsinn“, sagt Brauch begeistert. Nun kann Keck an der elektronischen Tafel die ersten Werke ihrer Schützlinge zeigen – mit Bildern, Texten und sogar mit Tonaufnahmen wie bei einer Stadtführung.

Damit die Schüler*innen die Verhaltensregeln verinnerlichen, sollen sie nun eine kurze Präsentation anfertigen. Thea, die im Kunstunterricht zu den kreativen Köpfen der 4a zählt, zeichnet mit dem elektronischen Eingabestift einen Comic. Dazu nimmt sie mit dem Mikro ihren Text auf: „Das Gerät muss immer einsatzbereit und aufgeladen sein. Weil: Irgendwann sagt die Lehrerin: Klappt das iPad auf. Und dann liegt es vielleicht noch im Koffer!“ Die Klasse ist begeistert, Thea strahlt. „Es ist einfach toll, was man mit den Dingern alles machen kann“, schwärmt das Mädchen.

Aufsätze weiter per Hand
Nicht alle Anwendungen laufen reibungslos. Die Software Keynote etwa ist nicht bei allen Tablets in der aktuellen Version vorhanden. „Die Leiste fehlt“, bemerkt Brauch. Keck macht sich eine Notiz, ihre Liste ist lang. Später wird sie das pädagogische Landesinstitut informieren, es richtet die Geräte ein.
Simon und Emma-Lou helfen sich wie alle Banknachbarn gegenseitig. „Manche Sachen wissen wir noch nicht, aber Frau Keck kriegt schon ganz viel super hin“, lobt Simon. Emma-Lou sieht den größten Vorteil darin, „dass wir nicht mehr die ganzen Schulbücher und Hefte schleppen müssen“. Sie hat nur teilweise Recht: Die Tabletklasse hat zwar Zugriff auf die elektronischen Schulbücher. Und für die meisten Fächer hat sie im System die Schulhefte angelegt – in Gelb für Deutsch, Rot für Mathe und Grün für Sachkunde. Doch die Lehrerin will nicht zu 100 Prozent auf Digitalunterricht umsteigen. „Ich möchte zweigleisig fahren. Aufsätze etwa werden weiterhin per Hand geschrieben.“

„Werkzeugkoffer“ erweitert
Die Frage, wann frühestens in der Grundschule mit Tablet gearbeitet werden sollte, beantwortet Daweena Lill differenziert. „iPads sollten bereits ab der ersten Klasse zur Verfügung stehen. Aber im Vordergrund muss zuerst die Arbeit mit der Hand stehen – das Schreiben, Malen und Schneiden.“ Komplexer Unterricht mit den Geräten sei ab der dritten Klasse zu empfehlen. Anne Dederers Erfahrung: „Tablets ersetzen den Unterricht auf Papier nicht. Aber sie erweitern den pädagogischen Werkzeugkoffer. Die Menge macht das Gift, es muss eine gute Balance geben.“ Sie nennt ein Beispiel, wie die Computer bei Abc-Schützen einsetzbar sind: Beim Lesen liest das System die Wörter laut mit. Die Schüler*innen können das von ihm laut Gelesene aufnehmen.

Keck kann sich vorstellen, das Pilotprojekt in einem Jahr mit einer dritten Klasse fortzusetzen. Wie stark sich der Tabletunterricht an den übrigen neun Frankenthaler Grundschulen durchsetzen wird? Das sei davon abhängig, wie intensiv die Lehrer*innen sich auf digitalen Unterricht vorbereiteten. „Außerdem sollte jede*r Pädagoge*in so unterrichten, wie er es am besten kann. Wer nicht technikaffin ist, für den ist die Arbeit mit dem iPad nicht sinnvoll.“


Quelle
Die Rheinpfalz Frankenthaler Zeitung –
Nr. 210 Samstag, den 9. September 2023

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