Wir lassen uns nicht PI(E)SAcken!

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Ein Beitrag von Dr. Julia Worlitzsch zur aktuellen PISA-Studie

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Dass nach den niederschmetternden Ergebnissen der jüngsten PISA-Studie die Rufe nach einer Kehrtwende in der Bildungspolitik immer lauter werden, ist kaum überraschend. Nun bestätigt PISA also offiziell und öffentlichkeitswirksam genau das, was die meisten Personen, die im Bildungssystem arbeiten, schon lange predigen: So kann es nicht weitergehen. Der Bildungsnotstand im einstigen Land der Dichter und Denker ist manifest, und das nicht erst seit PISA, sondern er deutete sich bereits in jüngsten Ergebnissen weiterer nationaler und internationaler Vergleiche immer wieder an – und zeigt sich nun im Konkreten in der PISA-Studie an den eklatanten Defiziten der deutschen Schüler*innen in Lesen, Schreiben und Rechnen.

Vielfältige Gründe für dieses Debakel werden ins Feld geführt: Lehrkräftemangel, pandemiebedingte Schulschließungen, soziale Ungleichheit, heterogene Schülerschaft, Bildungsföderalismus, gepaart mit einer unzureichenden Digitalisierung der Schulen. Die Diagnosen, die Bildungsminister*innen allerorts stellen, sind keine neuen. Das alles dürfen jedoch keine Ausreden sein.

Statt ins gleiche Horn zu stoßen, dass es immer weiter abwärts geht und wir uns bildungstechnisch geradezu im freien Fall befinden, möchten wir konkrete Impulse geben, zum Denken anregen und zum Handeln anstoßen, wie man diese Bewegung nicht nur aufhalten, sondern geradezu umkehren kann – und fragen uns, was man ändern muss und kann, um es besser zu machen: Denn letztlich schneiden hier nicht die Schülerinnen und Schüler, die an der Studie teilgenommen haben, schlecht ab, sondern das deutsche Bildungssystem! Wie also kann es gelingen, die Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen konsequent zu stärken, wie kann Schule zukunftsfähig werden? Wir brauchen endlich konkrete Antworten auf die Frage: Wie können wir schulische Lernprozesse verbessern?

Neben allen Defiziten im internationalen Bereich wird durch die PISA-Studie, die erste seit der Corona-Pandemie, vor allem eins ersichtlich: Unsere Schüler*innen sind in der Pandemie immanent abgerutscht. Wenig verwunderlich, wenn man bedenkt, dass während der Schulschließungen mangels Digitalisierung und Digitalität kein sinnvoller Unterricht mehr stattfinden konnte. Dass die Schüler*innen entsprechende Leistungsdefizite zeigen, ist nur der Ausläufer des eigentlichen Defizits: ein unzulängliches Lernsetting. Wir brauchen eine Lernumgebung, die krisenfest ist und jede*n mitzunehmen vermag. Unterrichtsausfälle und versäumten Stoff gab es an digital vollausgestatteten Schulen wie etwa der Villa Wewersbusch nicht. Sicherlich ist es kein Allheilmittel, aber doch ein wesentlicher Faktor: Uns fehlen adäquate Lernvoraussetzungen, digitale Strukturen sind mangelhaft. Um den Einwänden der Digitalisierungsgegner gleich den Wind aus den Segeln zu nehmen: Wir reden hier nicht davon, dass Jugendliche ohnehin unreflektiert zu viele digitale Medien konsumieren und dementsprechend Leistungsabfälle vorprogrammiert seien – im Gegenteil, in Ländern, die in der Digitalisierung bereits weiter fortgeschritten sind, ist ein derartiger Leistungseinbruch nicht zu verzeichnen.

Wir möchten vielmehr dazu ermutigen, sich sowohl offen gegenüber „neuen“ Methoden und Werkzeugen im Bildungsbereich zu zeigen als auch für diese einzustehen, sie zu propagieren, diese nicht als Wurzel allen Übels zu verbrämen, sondern deren Chancen und Potenziale zu erkennen und für verbesserte Lehr- und Lernprozesse nutzbar zu machen. Der pädagogisch sinnvolle Einsatz von Medien ist ein zeitgemäßes WERKZEUG, um dem Menschenrecht auf Bildung zukunftsfähig nachzukommen. Digitalisierung bildet die Grundlage für selbstbestimmtes, kreatives und motivierendes Lernen und damit für das Menschsein als solches.

Denn auch wenn die Liste von den Dingen, die im deutschen Bildungssystem schlecht laufen, endlos scheint – entscheidend ist, dass wir nach vorne blicken, wir uns für grundlegende Veränderungen offen zeigen, um in einer Zeit, in der sich die globalisierte Welt im Sekundentakt verändert, Schritt halten zu können. Schritt halten, das heißt auch: sich in einer hochkomplexen, technologisierten Umwelt offen gegenüber Neuerungen zeigen, Bildung neu denken, Schule revolutionieren. Nur so können wir basale Fähigkeiten wie Lesen, Schreiben, Rechnen dauerhaft stärken. Schule muss zukunftsfähig werden. Wir müssen lösungsorientiert denken: Wie kann es gelingen, dass wir junge Menschen zu den Gestaltern unserer Gesellschaft machen und einen kritischen Umgang mit dieser kultivieren?

Unser Bildungssystem muss neu gedacht werden – und offen sein für Veränderung, die eine technologisch immer weiter fortschreitende Gesellschaft erfordert. Das bedeutet: weg vom Bulimie-Lernen hin zu zeitgemäßen Lernformen, Chancen der Digitalisierung zu begreifen, digitale Ressourcen pädagogisch hochwertig zu nutzen, innovative Möglichkeiten der KI sinnvoll zu integrieren. Nur durch die Anpassung, ja, geradezu Neuausrichtung des Lehrauftrags und des Bildungssystems kann es gelingen, Schüler*innen einen Zugang zur Informationsgesellschaft zu gewährleisten, sich zu orientieren, gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen und eine verlässliche Basis für die Zukunft zu schaffen. Nur so können sie als selbstorganisierte und kritische Individuen zu Gestalter*innen der Gesellschaft werden.

Wir brauchen Maker-Mentalität, um diesen Wandel im Bildungssystem herbeizuführen. Es ist nicht der Zeitpunkt, resignierend die PISA-Niederlage anzuerkennen, sondern auf die Barrikaden zu gehen. Rebellion für Revolution im Bildungssystem. Das Recht auf Bildung ist ein Menschenrecht. Bildung darf keine Baustelle sein, es müssen massive Investitionen in sie getätigt werden. Bildung braucht höchste Priorität! Sie ist unsere wertvollste Ressource.

Kommen Sie mit unserem medienpädagogischen Team gerne über Digitalisierungskonzepte, die Hand und Fuß haben, ins Gespräch!

Für weitere wertvolle Impulse und neueste Trends zum Thema „Bildung neu denken“ folgen Sie gerne unseren Kanälen der thinkRED sowie unserer Bildungsmanagerin Anne Dederer.

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