Erfolgsgeschichten: Digitalisierung der Kita „Villa Sonnenschein“ in Herford

thinkRED Short Story.

Erfahrungsbericht aus der Praxis. Ein Interview mit Ralf Hoffmann von der Kita „Villa Sonnenschein“.

Ralf Hoffmann vom DRK Kreisverband Herford-Stadt e.V., Geschäftsführer des DRK-Verbands und Leiter der Kita „Villa Sonnenschein“ im Gespräch mit thinkRED über pädagogisches Wirken, organisatorisches Handeln und Kommunikation im Zuge der Digitalisierung seiner Kita.

Herr Hoffmann, wo steht Ihre Kita heute im Zuge der Digitalisierung? Welche Maßnahmen haben Sie schon ergriffen? Was haben Sie noch vor? 

Im Zuge des gesellschaftlichen Wandels und der Professionalisierung unserer Arbeit geht auch im sozialen Bereich kein Weg an der Digitalisierung vorbei. Wir haben also begonnen, uns die Frage zu stellen, was eigentlich genau optimiert werden soll und welche Bereiche innerhalb der Kita bedacht werden müssen. 
Dabei sind uns drei Themenbereiche eingefallen. Voran steht die Arbeit mit den Kindern, also der pädagogische Bereich. Dann gibt es den organisatorischen Rahmen, denn ohne funktionierende organisatorische Rahmenbedingungen kann auch kein richtiges pädagogisches Handeln stattfinden. Und zum dritten gibt es das Themenfeld der Kommunikation, welches einen großen Teil der Arbeit einnimmt, denn Eltern wollen informiert sein. Alle drei Themenbereiche müssen wie Puzzleteile ineinandergreifen, damit am Ende für die Kinder das bestmögliche Ergebnis herauskommt. 
Für den organisatorischen Teil sind Kommunikation und Information die Schlüsselbestandteile. Pädagogisches Wirken, organisatorisches Handeln und ein ständiger Informationsaustausch in mehreren Richtungen müssen also Hand in Hand gehen. Das heißt, wir haben uns folgende Fragen gestellt: 

  • Wie können wir unsere Organisation und die damit zusammenhängenden Prozesse optimieren? 
  • Wie können wir es schaffen, trotz wenig Zeit, möglichst gut zu kommunizieren und den Informationsaustausch für alle Erzieher*innen gleichermaßen zu schaffen? 

Zudem brauchten wir unter Corona-Bedingungen ein Konzept, das auf Distanz funktioniert und die „zu Hause gebliebenen Kinder“ mit einbeziehen kann. Für alle diese Themenfelder haben wir nach einer passenden Lösung gesucht. 

Welche Anforderungen an ein System haben sich aus Ihren Überlegungen konkret ergeben? 

Wir wollten ein System, dass die Kommunikation innerhalb des Teams und die mit den Eltern verbessert. Wir wollten auch unter Corona-Bedingungen auf Distanz pädagogisch wirken und unser Team bei allen Neuerungen mitnehmen und dafür begeistern können. Zudem spielt der Faktor Zeit auch immer eine entscheidende Rolle. Zunächst muss immer Zeit investiert werden, bis Abläufe reibungslos funktionieren.  

Für welche Technologie als unterstützendes System haben Sie sich entschieden? 

Wir haben vor Jahren schon versucht mit Windows-Laptops zu arbeiten, haben aber damit eher schlechte Erfahrungen gemacht. Unter anderem war das Aufklappen, Hochfahren und Arbeiten mit der Tastatur in den Gruppen nicht möglich. Auch brauchten diese Laptops ständig ein Update oder fachmännische Zuwendung. Wir wollten nun vor allem ein System, das wartungsarm und möglichst selbsterklärend ist und in der Anwendung einfach funktioniert. Die Handhabung im Kita-Alltag sowie ein möglichst geringer organisatorischer Hintergrund waren also die entscheidenden Faktoren. Und nach all diesen Überlegungen sind wir bei Apple und vor allem bei iPads als digitale Arbeitsgeräte gelandet. Diese Geräte sind leicht, können überall sicher außer Reichweite gelegt werden, haben eine Always-On Funktion, sind leicht abwischbar, funktionieren einfach ohne große Erklärung und vereinen viele einzelne Systeme in einem. Aus diesem Grund haben wir uns für die Arbeit mit iPads entschieden.  

Wie haben Sie das Projekt gestartet und welche Verbesserungen haben Sie bemerkt? 

Begonnen haben wir das Projekt in der Kita, in der ich auch arbeite, da ich die Einführung begleiten wollte. Wir haben in jeder der drei Gruppen ein iPad ausgegeben. Zudem haben wir alle iPads mit einer E-Mail-Adresse verbunden, an die von da an Informationen gesendet wurden. So konnte jede Erzieherin schon in ihrer Gruppe im Alltag alle Informationen einsehen und abrufen. Des Weiteren haben wir eine zentrale cloudbasierte Ablage geschaffen, auf der auch alle organisatorischen Dinge wie Essenspläne und Urlaubsvertretungen abgelegt wurden. Das hat sehr schnell den positiven Aspekt gebracht, dass alle Kolleg*innen fortlaufend informiert sind und sich vor allem auch gleichermaßen informiert fühlen. Das Informationsmanagement hat sich also deutlich verbessert. Ein weiterer positiver Aspekt hat sich dann darin gezeigt, dass sich die Übernahme von Verantwortung verbessert und breiter verteilt hat. Durch die stetige Informationsweitergabe haben sich alle Kolleg*innen gleichermaßen verantwortlich gefühlt. 

Gibt es noch weitere positive Aspekte? 

Ich denke, der positive Aspekt hat sich vor allem dadurch ergeben, dass das iPad nicht als Arbeitsgerät gesehen wurde, sondern zum Kommunikationsmittel wurde. Dadurch ist mehr Teilhabe entstanden und dies hat ebenso zur Organisationsentwicklung beigetragen. Ein weiterer Aspekt ist, dass nun in jeder Gruppe auch immer eine Kamera vorhanden ist. Das iPad wird zum Fotografieren der Kinderaktionen und des Alltags genutzt. Diese Fotos werden nun regelmäßig mit den Kindern und Eltern geteilt und so wird dokumentiert, was die Kinder Tolles gemacht haben. Dadurch wird das iPad wird neben der Kommunikation auch zum Aktionsgerät und zum Ablageort für Dokumentationen, z.B für die Entwicklungsfortschritte der Kinder.

Nach diesen positiven Erfahrungen waren wir von den Möglichkeiten und Perspektiven, die sich durch die Nutzung des iPads im Kita-Alltag eröffnet haben, überzeugt. Somit wurde das Tablet zu einer wichtigen Ressource im Kita Alltag und wir haben es in all unseren Kitas etabliert. Nun wird ein iPad pro Gruppe eingesetzt. 

Vielen Dank für die spannenden Einblicke. Ich weiß aus unserem Vorgespräch, dass Sie danach noch weiter gemacht haben. Mögen Sie uns davon auch erzählen? 

Ja (lacht) das stimmt. Die Prozesse waren uns so noch zu „unprofessionell“. Daher haben wir eine eigene App entwickelt, die DRK-Kita App oder auch zu finden unter „MeinKiGa“ im App- oder Play Store. Mit Hilfe dieser App werden die iPads mit einer webbasierten Oberfläche verbunden. Dort können Projekte dokumentiert, Texte geschrieben und Fotos abgelegt werden. Wir machen all unsere Kommunikation mit dieser App. Zudem haben alle Eltern diese App auf ihren Smartphones und wir können aus der Gruppe heraus Nachrichten an die Eltern schreiben. Zu Lock-Down-Zeiten konnten die Kinder so auch von zu Hause aus an den Morgenkreisen der Kita teilnehmen. Heute werden auch alle Elternbriefe digital über die App verschickt. Alle Informationen zur Eingewöhnung, dem Schul-Start, Vorgehen bei Krankheiten, Essenspläne und vieles mehr liegen in der App zentral abgelegt. Die Eltern können durch die App auch Nachrichten in die Gruppe schicken, z.B. für Krankmeldungen. Ferner lässt sich jeder Inhalt von den Erzieher*innen aus der täglichen Arbeit in ihren Gruppen heraus administrieren. 

Das finden wir sehr beeindruckend. Haben Sie noch ein Fazit für uns? Etwas, dass Sie Interessierten noch mit auf den Weg geben möchten? 

Mir ist wichtig allen Interessierten mit auf den Weg zu geben, dass das EDV-System für das wir uns entschieden haben nicht mehr Zeit kostet, sondern die vorhandene Zeit nun nur anders genutzt wird. Natürlich braucht es Zeit, bis jede/r sich die mit den neuen Systemen vertraut gemacht hat, und sich die neuen Prozesse und Abläufe etabliert haben. Aber die Zeit, die wir heute täglich durch die digitalen Anwendungen sparen, kann rückwirkend wieder für die Kinder genutzt werden. Und zu guter Letzt noch ein Satz zum Berufsbild der Erzieher*in. Ich finden, dass der Gebrauch der Technologie eine Kompetenzsteigerung bei meinen Mitarbeiter*innen erzeugt hat. Dadurch steigt deren Eigenverantwortung und gleichzeitig kommt es zu einer Aufwertung ihres Berufs.